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| Korea Garden Lodge |
Nun gilt es gänzlich Abschied zu nehmen von Malawi.
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| Der Eingang zum Palast des Präsidenten. |
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| Lustig vor allem: "sonstwohin" |
Da kaum Gäste im Hotel schlafen, gab es auch kein richtiges Frühstücksbuffet. Immerhin genug Kaffee, ein Glas klebrigen Saftes, Toast und Erdnussbutter und dazu das typische American Breakfast mit Omelett, Würstchen, baked beans und Kartoffelspalten. Heute war ich eher spät zum Frühstück – ich hatte mich 5.30 Uhr nochmal umgedreht, da ich heute sowieso behindert bin und ich mich kaum bewegen kann. Gegen neun Uhr humpelte ich trotzdem ein Stück, um meine Medizin gegen die Bilharziose zu bekommen – rein prophylaktisch, um potentielle Keime abzutöten. Vielleicht kann ich mich auch testen lassen, um unnötige Medizin zu vermeiden. Am Vormittag war das Medikament in mehr als einem Dutzend Apotheken ausverkauft. Die Friseure waren mir mit fünf Euro zu teuer. Ich hatte noch einhundert Dollar getauscht, um Hotel und Taxi bezahlen zu können. Damit haben mich die vier Wochen etwa dreitausend Euro gekostet – die Hälfte davon für den Flug, den Covid-Test und den Nahverkehr und Bustransfer zu Hause – es kann sein, dass ich das eine oder andere vergessen habe, aufzuschreiben. Aber die letzte Woche im Schlafsaal mit etwa fünfunddreißig Euro am Tag hat den Schnitt etwas reduziert. Die teuersten Tage waren die in den Nationalparks mit Safaris.
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| Hilfe! Fett wie ein Buddha... |
Am Nachmittag hatte es erst geregnet, es war recht drückend und gegen fünfzehn Uhr wurde es wieder angenehm. Mit einem Motorrad ließ ich mich vom Hotel in die City fahren. Nach City sah da nicht viel aus. Ich humpelte zum Präsidentenpalast und dann weiter durch das etwas gehobenere, auch sauberere Stadtviertel. Dort fand ich dann auch einen Friseur, der weder indisch noch arabisch war und nur dreitausend Kwatcha wollte. Der Friseursessel und Umhang war fast wie zu Hause. Die Werkzeuge entnahm er einem Sterilisiergerät – wichtig, wenn hier zehn Prozent der Menschen Aids haben. Mit der elektrischen Schere riss und zerrte er durch meine ungekämmten und verfilzten Haare. Da ging sicher auch einiges mit der Wurzel davon. Am Schluss sieht das besser aus als vor vier Wochen – und er arbeitete sich auch bis auf die Kopfhaut durch. Ich lief dort noch ein kleines Stück, um weitere Apotheken zu finden. Eine der vielen hatte das Originalmedikament für fünfundvierzig Euro. Nein Danke. Ich ließ mich wieder in die Old Town fahren. Bitte nicht denken, dass es hier irgendetwas wie eine Altstadt gäbe. Lilongwe ist ziemlich grün, vor allem hier bei meiner Lodge und im „City-Center“. Sonst besteht Lilongwe aus einem Chaos häßlicher Geschäftsbauten mit vergitterten Fronten und ohne jeden Charme. Viel Verkehr mit abgewrackten Fahrzeugen wie überall in Malawi, Straßenhändler am Straßenrand. Hin und wieder ein paar aufdringlichere Typen – ich hatte heute keinen einzigen Weißen gesehen. Auch nicht auf dem Handarbeitsmarkt. Ich war enttäuscht, wie wenig Interessantes es hier auf dem Markt gab. Ich habe mir ein geflochtenes Körbchen gekauft für fünf Euro und ein aus farbigem Stein gehauenes, kleines Flusspferd für achtzehn Euro. Das war das einzige, zu dem ich irgendeinen Bezug zu meiner Reise finden konnte. Es erinnert mich ein wenig an Mélissa – nicht vom Aussehen, sondern an unsere Flusstour auf dem Shire-Fluss, bei der wir auf ein Hindernis auffuhren. Nun hätte ich die einmalige Gelegenheit gehabt, sechsundvierzig Kilogramm nach Hause zu schleppen – schade. Aber ich muss mich ja auch schon selbst nach Hause schleppen…
Nun sitze ich also achtzehn Uhr in meiner Lodge beim zweiten Bier – allein am Pool und vermisse die mir lieb gewordenen Typen von Nkhata Bay und alle anderen Menschen, denen ich hier intensiver begegnet bin. Ich möchte werben für Rucksackreisen nach Malawi: Ihr tragt das Geld damit zu den Menschen, die es dringend benötigen und für ihre Freundlichkeit, Güte und Zuversicht mehr als verdienen. Meine Meinung zu Entwicklungshilfe muss ich noch festigen – ich habe Zweifel an deren Wirksamkeit und an verdeckten Interessen. Ich habe zu viele Kirchen gesehen, von zu vielen Privatschulen gehört und generell viele Expats und Entwicklungshelfer getroffen. So sehr mich so ein Leben gereizt hätte – es bleiben Zweifel.
Ich habe Malawi von einer Seite kennengelernt, wie man sie eigentlich auch nur so gewinnen kann: viele Einheimische sprechen, Fragen stellen, zusammen lachen, einander respektieren, mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, persönliche Guides finden, Gäste in den Lodges aus aller Welt und dem Inland, die oft ins Gespräch miteinander kamen. Mein letztes Plüschtier, den roten Elefant, bekam heute eine Bananenverkäuferin, die recht arm wirkte und eine niedliche Dreijährige zu ihren Füßen hatte.
Ich bin heute weniger wehmütig als in Nkhata Bay, ready to go. Wenn mein Sohn es mir erlaubt, war das nicht das letzte Mal Afrika. Ich werde mit ihm dealen: solange er mich wenigstens vierzehntägig besucht, buche ich keinen neuen Flug. Die Idee gefällt mir – damit hat er es in seiner Hand, die Umwelt zu retten. Ich möchte sonst unbedingt noch Georgien oder Armenien sehen – und einiges hier in Afrika. Vor allem Natur und die Menschen sind hier der Trumpf!