16.12.22 Chambe Hut
Über den heutigen Tag gibt es nicht sonderlich viel zu berichten. Obwohl ich eine Decke bekommen hatte, schlief ich die ganze Nacht nur sehr unruhig – und kuschlig warm war es trotzdem nicht. Früh am Morgen gegen fünf Uhr machte sich Antoine schon mit seinem Guide auf zum Gipfel – es hatte stärker geregnet über Nacht, war dann aber offensichtlich schon vorüber. Der Kamin erleuchtete die Hütte und das Licht einer Stirnlampe huschte immer mal hin und her. Ich schlief bis sieben Uhr – keine Ahnung, warum ich den Wecker um sechs Uhr dreißig nicht hörte oder wahrnahm.
Zum Frühstück gab es wieder Kaffee und Marmeladenbrötchen und eine halbe Ananas. Gegen acht Uhr wanderten wir los. Die Wolken waren deutlich weniger geworden und bald kam sogar auch mal die Sonne raus. Viertel vor elf Uhr waren wir am Tagesziel angekommen. Es wäre easy gewesen, noch ganz abzusteigen. Andererseits wäre ich so vielleicht ziemlich spät in Majete angekommen. Also lieber morgen früh aufbrechen und entspannt nach Majete finden.
Auf dem Weg gab es wieder schöne Ausblicke, eine Schlange und sonst nichts weiter bemerkenswertes – außer vielen abgebrannten Flächen, aus denen sich wieder hoffnungsvoll frisches Grün herausschob.
Ich nutzte hier die Zeit, nach einem Ankunftskaffee meine vor Dreck stehende Hose und das Hemd zu waschen. Griven (so heißt mein Guide – endlich kann ich es mir merken) nahm mir die Hose aus der Hand und übernahm die Handwäsche für mich. Ich legte mein Ladegerät in die Sonne, um Handy und Powerbank wieder voll zu bekommen. In der Zwischenzeit legte ich mich auf der Veranda mit dem tollen Blick auf eine Matratze und bearbeitete meine Fotos. Wenig später kam ein Israeli mit Guide und Träger an. Er war auch schon in weniger als vier Stunden hier. Dafür hat er auch gerade seine Wehrpflicht absolviert – er sollte also fit sein. Auch von ihm gab es noch einmal gute Tipps – vieles überschnitt sich mit denen von Antoine. Zwischendurch brachte mir Griven meine Nudeln – ein Mix aus einem Rest der Spaghetti mit den Instantnudeln – aber ohne Brühe. Sowas gibt es dann noch einmal zum Abendessen und vielleicht noch eine Mango. Vorher gibt’s warmes Wasser für die Körperpflege.
Ich hatte eben noch einen kleinen Nachmittagsspaziergang gemacht, ein Stück in Richtung Francis Hütte, dann Richtung Dschungel, aus dem Warnrufe in meine Richtung drangen, von einem Vogel oder vielleicht auch einem Affen. Dann lief ich noch ein Stück in Richtung der Ortschaft, in der früher mal Waldarbeiter gelebt hatten. Ein paar Hänger standen dort, die man einstmals mit einem Traktor hier herauf gebracht hatte. Das Holz wurde mit einer Skyline nach unten transportiert. Inzwischen versucht man wieder aufzuforsten: Kiefern/Pinien und die lokale Zeder. Hoffentlich wird das dann keine Monokultur. Griven war mir entgegengekommen und erklärte mir noch einiges – eben auch diese Infos sind von ihm. Ich fragte ihn, was die Leute hier am Tag für das Aufforsten bekommen. Ca. zweitausend Kwatcha, also zwei Dollar. Er kam auf seinen bescheidenen Traum zu sprechen: zwanzig Hühner zu kaufen und von den Eiern leben zu können, vielleicht auch zwei Kühe für Milch. Ein Ei kostet auch hier etwa zwanzig Cent. Das klingt nach Luxus, wenn man vielleicht fünfzig Euro im Monat verdient.
Hier am Berg gibt es etwa siebzig Guides, die meisten kennt er – man trifft sich ja auf der Hütte. Und es gab anfangs auch mal Trainings für die Guides. Hatte ich schon geschrieben, dass er mit zwölf das erste Mal als Träger auf den Berg gestiegen war?
In der zweiten Julihälfte gibt es einen Berglauf zum Nationalfeiertag. Weit mehr als hundert Leute laufen da mit. Einmal rauf auf etwa 1600m und einen anderen Weg wieder runter. Dem Sieger winkt ein Preisgeld von 100$.
Eben flogen hier drei Krähen auf die Wiese vor mir: schwarz mit einem breiten weißen Streifen am Nacken. Wer weiß, was sie hier zu finden hofften.
Es ist erst fünfzehn Uhr – vielleicht kennt der Israeli das hölzerne Spiel…
Nein. Aber Griven mühte sich eine Stunde ab, mir das Spiel zu erläutern – wir spielten zwei oder drei Spiele, ohne dass ich bisher ganz die Strategie durchschauen konnte. Es wirkt sehr vorausrechenbar, wenn man sich konzentrieren will und kann. Die Regeln muss ich mir unbedingt im Netz herunterladen.
Nach dem Spielen wurde mir warmes Wasser zur Körperpflege bereitet. Haare waschen und duschen – eine Wohltat nach drei Tagen wandern – und dem bisherigen Waschen im Fluss bzw. am fließenden Wasser, das vom Fluss abgezweigt wurde.
Dann gab es die letzte Mango und ich machte mit Hilfe der letzten Glut Feuer im Kamin der Hütte. Darüber steht der Wasserkessel, um heißes Wasser für meine Nudeln zu haben.










