02.01.23 Nkhata Bay
![]() |
| Affen vorm Dormitory |
Ich lag am Nachmittag auf der Terrasse am See, las und chillte in der Sonne. Gegen drei Uhr nachmittags gönnte ich mir einen Kaffee und chillte später noch ein Weilchen. Cornell setze sich zu mir und wir gingen dann gegen siebzehn Uhr zu dem Pub an der versteckten Bucht. Er traf zuvor noch einen Kumpel, den er schon seit fünfzehn Jahren kennt und der ihm Weed beschafft - so ein wilder Reggeatyp von hier. Auf dem kurzen Strand setzen wir uns zu einem Holländer und seiner Freundin aus Mali, deren Äußeres sich deutlich von den Schwarzen in Malawi unterschied – allerdings könnte ich das nicht beschreiben. Auch die Äthiopierinnen in Lalibela sahen anders aus. Der Holländer reist, lebt und arbeitet hier, hat mit Bauwesen zu tun – er kann dank Covid seinen Job remote ausüben.
![]() |
| Terrasse an der Bar der Butterfly Lodge |
![]() |
| Sonnenaufgang |
Cornell und er tauschten sich maßgeblich über die wunderbaren Reiseziele in Afrika aus – und all das machte mich immer neugieriger. Ein paar Samosas wurden vorbeigetragen – es gab zwei Bier dort und dann verabschiedete sich das Paar, um die vor Anker liegende Fähre nach Likoma Island noch pünktlich zu erreichen. Wir liefen zur empfohlenen Kneipe Hotspot Café. Dort saß Sven der Radfahrer mit dem attraktiven Typen, der hier auch ein freiwilliges Jahr macht. Sonst sprach dieser leidenschaftlich von seinem Job als Briefträger. Hinter uns saß der dandyhafte Typ, der im zarten Alter von zwanzig Jahren hier an der Schule Unterricht in Englisch und Sport gibt und demzufolge auch lange hier ist – aus Mainz in Deutschland. Neben ihm auch ein weißer Südafrikaner, der heute ankam und die Hübsche aus Malawi, deren Familie portugiesisch ist – daher war ich überrascht, dass sie von hier kommt. Am Ende saßen wir alle wieder zusammen und redeten über alles mögliche, vor allem aber über das Reisen. Ich bestellte Pommes und Hühnchen, das dort nur zwei Euro fünfzig kostete. Mit Sven liefen wir zurück zur Lodge, Gregory gesellte sich zu uns, nachdem er bei seiner neu erworbenen Freundin zum Familienbesuch war (ja – die vom Tanzen aus unserer Küche). Später kam noch Holly dazu, der quirlige Geist dieser Lodge – bildhübsch auch und sehr anziehend. Wir redeten über den Commonwealth, über Chamäleons oder auch über Echsen, die aus der Kloschüssel auftauchen – und über tausend andere Dinge: Krieg, Frieden, Iran, Ukraine und Russland, Machtbestrebungen, Plastik und Müll, … Und so wurde es wieder spät. Ich werde die Zeit hier sehr vermissen, wenn ich übermorgen abreise.
Jetzt liege ich seit über zwei Stunden im Bett, der Schlafsaal ist wieder angenehm leer – aber ich bin völlig aufgedreht. Draußen nieselt es – eigentlich würde ich jetzt duschen wollen, um meinen Körper zu resetten. Daher schreibe ich lieber meine Tageserlebnisse zusammen.
Als wir schon eine ganze Weile auf unserer Terrasse saßen, kam die Fähre Richtung Likoma mit großer Verspätung recht hell erleuchtet an uns vorbeigefahren.
Keine der Lodges hier in Malawi war so sehr Backpacker-Community wie diese hier. In keiner waren so viele potentiell neuen Freunde. Von Mélissa habe ich seit der Ankunft der beiden in Lilongwe nichts mehr gehört – sie war seitdem nicht mehr online. Hat sie ihr Handy verloren oder wurde es gestohlen? In Lilongwe gibt es ein paar No-Go-Areas – zumindest Straßenzüge, die man meiden sollte. Vom Ausgehen nachts rät mein Reiseführer ab.
Holly sagte heute, dass es sie oft traurig macht, wenn hier ein paar Leute länger da waren und eine nette Gruppe gebildet hatten. Wenn dann alle wieder abreisen, wird es einsam und sie wird dann auch ein wenig wehmütig. Dann geben ihr ihre Hunde ein wenig Trost. – Das alles kann ich gut nachvollziehen.
Wir sprachen heute noch über Burger aus Eintagsfliegen. Auch darüber, wie übel es ist, in so einen Schwarm zu kommen, da man die winzigen Fliegen dann einatmet und in allen freien Körperöffnungen hat. Wenn der Spuk vorüber ist, liegen bergeweise tote Fliegen herum. Dann ging es noch um gelegentlich hier aufkreuzende Flusspferde und Krokodile, um Otter und Ratten unter der Terrasse, nach denen die Hunde spürten. Manchmal landen die riesigen Ratten im Kühlschrank der Lodge - als Festtagsessen der Einheimischen.
Gut – ein weiterer Versuch, einzuschlafen…
![]() |
| riesige Schnecken |
![]() |
| ... handtellergroß |





