28.12.22 Senga Bay
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| Kinderspielzeug |
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| Fischräucherei |
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| Fischlein |
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| Einbaumschnitzen |
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| Entladen der Fähre |
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| Faszinierende Geschäftigkeit |
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| Schwere Lasten |
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| Die Fähre aus der Ferne |
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| Beiboot |
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| ... |
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| Schiffsbau |
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| Spannendes Handwerk |
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| Stahlschiffe |
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| Einbäume |
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| Die Fähre Ilala |
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| Boote vor der Fähre |
Trotz aller ersten Enttäuschung bezüglich Senga Bay: der Vormittag war ein Volltreffer. Der Strandspaziergang zurück zu den Booten – vorbei bei den Fischern. Dann entdeckte ich dazwischen jemanden, der einen neuen Einbaum fertigte – doch nicht nur archaisch, wie ich dachte. Aber nach wie vor wird zumindest die feine Kontur mit einer Art Hacke gefertigt. Ich musste das Boot streicheln, es fühlte sich fantastisch an. Auf dem Rückweg erkannte mich der Handwerker und grüßte freundlich.
Auf meinem Hinweg erkannten mich einige, denen ich gestern beim Schieben der großen, schweren Boote geholfen hatte. Am Ende sah ich schon die Ilala – die Fähre, die hier einmal wöchentlich ihre Runde dreht. Ein Dampfer aus den Fünfzigern. Von anderen Reisenden wusste ich, dass es keinen Anleger gibt und stattdessen mit dem Beiboot entladen wird. Das wollte ich unbedingt erleben – und ja: phantastisch! Das stark schaukelnde Beiboot war gerade angelandet, stand noch in knietiefem Wasser. Manche wurden huckepack trocken an Land gebracht. Andere liefen durch das Wasser. Das beeindruckste war jedoch das Entladen der Fracht. Es gab Pakete in der Größe eines dreiviertel Kubikmeters – vier bis fünf Mann hievten es trocken an Land. Andere riesige Pakete in Strohkörben wurden von einzelnen, starken Männern an Land getragen. Dort warteten schon die Minibusse auf Fracht und Passagiere. Weiße waren nicht zu sehen. Ich fotografierte einiges, dann hatte ich einen Träger verärgert, der das Fotografieren bemerkt hatte. Er rief etwas von zehntausend und die Umstehenden wiederholten es mir. Ich musste die Bilder nicht löschen – ich steckte die Kamera weg – war aber froh über die beeindruckende Bildreihe. Portraits hatte ich ohnehin keine gemacht.
Ich wendete meine Aufmerksamkeit den Zimmerleuten zu, die Boote fertigten – große Holzboote von vielleicht acht Metern Länge und reichlich zwei Metern in der Breite. Ich war zuvor mit dem Gärtner des Nachbaranwesens ins Gespräch gekommen: ein gepflegtes Grundstück eines Briten, der gerade in Südafrika ist. Seine Frau war vor zwei Wochen gestorben. Daher bewachten vier Securityguards in Khakiuniform mit Schlagstöcken das Grundstück. Notta hat noch einen Gärtnerkollegen. Er jedenfalls beantwortete einige meiner Fragen: so ein Boot kostet etwa zweitausendfünfhundert Euro, die Bauzeit liegt bei etwa zwei Wochen. Ich sah so etwa fünf bis zehn Leute daran herumwerkeln: die Bootsplanken wurden angeschraubt. Dazu wurden Brustleiern benutzt, wie sie mein Vater früher genutzt hatte. Erst wurde vorgebohrt, dann mit dem Schraubendreher angesenkt und die Schraube reingedreht und damit die Planke fest gegen die Spanten gezogen. Zum Abdichten diente eine Pampe, die wie Zement oder Estrich aussah. Zwischendurch wurden die Planken mit Schraubzwingen fixiert. Für die nächste Planke wurde ein Brett bereitgelegt, angelegt und abgemessen und dann wurde mit einer Kohleschnur eine gerade Linie angeschlagen. Andere sägten dann an diesen Linien die Bretter zurecht, ein weiterer hobelte die gesägten Seiten zurecht mit einem metallenen Hobel. Die Sägen wurden eigenwillig gehalten, wenn die Bretter zugeschnitten wurden – beim Ablängen hielt man die Säge aber so, wie man es auch bei uns handhabt. Die Arbeit ging gemächlich ohne Hektik voran, kein Schimpfen, kein Fluchen – eher stoisch aber mit freundlichem Gesicht. Es störte keinen, dass ich da eine Stunde saß und zuschaute. Notta fragte mich dann, ob ich schonmal Nsima gegessen habe. Ich sagte ihm, dass ich es gern mal probieren möchte, bisher aber noch nicht konnte. Freundlich fragte er mich später, ob er mich zu sich nach Hause einladen dürfe. Ja gern! Ich hatte heute morgen zwei Plüschtiere eingepackt – in weiser Voraussicht. Wir saßen noch eine halbe Stunde bei den Zimmermännern und liefen dann am Haus seines Arbeitgebers vorbei. Die Security grüßte mich freundlich. Das Haus wirkte nicht außerordentlich schick – hat aber eine geniale Lage mit Blick auf den See, das ankommende Schiff und die dahinter liegenden Insel. Sanft steigt das Grundstück an und es gibt ein paar Felsen. Der Boss wäre sehr nett, hat Krebs und es wäre schade um den guten Chef. Notta findet ihn netter als seine Tochter, er ist aber keineswegs beunruhigt. Wir liefen weiter durch das Dorf und erreichten sein Haus aus unverputzten Ziegeln, wahrscheinlich dreißig Quadratmeter groß. Wir saßen hinterm Haus und er ließ sich seinen sechs Monate alten Sohn bringen und knuddelte ihn. Zwischendurch unterhielten wir uns – ich fragte eine Menge. Ein paar Enten mit Küken liefen durch das Grundstück, Nachbars Hühner. Im Stall und im Haus hatte er Kaninchen. Er fühlte sich wohl und vielleicht sogar ein bisschen Stolz über das Erreichte. Seine Frau bereitete unterdessen das Essen vor. Mir hatte er extra seinen besten, bequemen Stuhl in den Garten gebracht. Erstaunlicherweise fühlte ich mich nicht beklemmt oder unwohl. Sauber war der Garten keineswegs: zwei alte Spülkästen wahrscheinlich aus dem Haus seines Chefs, daneben ein etwas zerbrochenes Waschbecken – Foliefetzen etc. Gemütlich ist was anderes. Als das Essen fertig war, bat er mich ins Haus: drei Räume, getrennt durch Vorhänge, statt durch Türen. In einem konnte man einen Buggy fürs Kind sehen. Im Mini-Raum, der wohl das Wohnzimmer war, stand eine hölzerne Kommode, sicher auch von seinem Chef – ein Möbelstück aus Echtholz und gut verarbeitet. Davor kaum zugänglich ein Tisch, auf dem ein Buch mit Goldschnitt lag. Da er gesagt hatte, dass er Christ ist, war ich umso mehr erstaunt, dass er den Koran liest – auf Englisch. Es gab noch einen großen Kühlschrank mit Gefrierfach, der bei den häufigen Stromausfällen wohl eher nicht so sinnvoll ist. Und wir saßen an einem weiteren niedrigen Tischchen. Ich in einem Sessel, er dann auf dem Stuhl. Es gab Nsima, das Nationalgericht, einen Getreidebrei aus Maismehl, den man hier sehr gern ist und liebt. Wir aßen mit den Händen. Er reichte mir zuvor Wasser zum Händewaschen. Man nimmt sich einen Klumpen Nsima und knetet diesen dann in der Hand, taucht ihn dann in die Beilage – in diesem Fall Tomatensauce. Dazu gab es ein halbes Dutzend Fischlein. Ich wollte erst ablehnen, gab dann aber zu, die nicht zerlegen zu können – das übernahm er dann für mich. Schmeckte alles zusammen nicht schlecht – eigentlich wie Reis oder Nudeln, die erst durch die Sauce den Geschmack bekommen. Er sagte, dass es Fisch vielleicht dreimal in der Woche gibt, sonst oft Gemüse – und wir beteten vor dem Essen – bevor ich den Koran gesehen hatte. Das Nsima gab es in einem großen Thermosbehälter im Kunststoffgehäuse, das übrige aus Plastikdosen. Dazu Kunststoffteller mit dreifach Teilung, wie man es vom Camping oder Schulspeisung früher kannte. Zum Abschied ließ ich der Mutter dann einen Plüschdelfin zurück – Notta brachte mich wieder zum „Hafen“. Wir liefen zuvor noch durchs Dorf, er zeigte mir den Gemeinschaftsbackofen und am See die Stahlboote, an denen weiter gearbeitet wird. Für den Stapellauf wird dann extra was konstruiert, wenn es soweit ist. Ich drückte ihm noch ein paar Dollar in die Hand – auch die Telefonnummern hatten wir getauscht.
Ich kam wieder bei den Fischern vorbei, die mich wieder baten, beim Schieben des Bootes mitzuhelfen. Es wurde zwar bissel gelacht und gespöttelt – aber sie freuten sich, dass ich mithalf und waren sich bewusst, dass ich das zum Dritten mal tat. Auch mir hatte das Freude gemacht. Später begegnete ich wieder dem Schnitzer, der den Einbaum fertigte, auch er lächelte mir wieder freundlich zu. Ich durfte auch seinen halbfertigen Einbaum fotografieren. Danach lief ich wieder zum Café vor der Mufrasa-Lodge. Beim zweiten Bier kamen dann Maelle und Mélissa wieder dazu. Ich erzählte von meinem Vormittag und wir tauschten uns zu weiteren Reiseplänen aus. Die zwei gönnten sich einen Eierkuchen – fanden den aber nicht gut, ich gönnte mir ein drittes Bierchen. Dann spazierte ich durchs Dorf zurück zu meiner Lodge. Ich kam noch an den Trockengestellen für die Fische vorbei und entdeckte noch Räucheröfen, die die kleinen Fischlein für drei Monate haltbar machen. Auch das wirkte archaisch. Der Rest des Spaziergangs war entspannend – nichts umwerfendes. Wobei das erste Stück etwas von Slums hatte – ein gewaltiges Durcheinander zwischen ziemlich viel Müll. Später an der Straße wurde es angenehm grün und die Häuser wurden solider, je näher man unserer Lodge kam. Toll ist die aber nicht. Hier standen heute acht fette Allrad-Toyotas vor der Tür – alles Einheimische der oberen Mittelschicht wahrscheinlich.
Ich duschte, drückte paar Klamotten durchs Wasser und begab mich ins Restaurant. Inzwischen sind die beiden Mädels wieder da. Mélissa kann ganz schön schnattern beim Chatten mit der Heimat – durch die Fremdsprache geht das zögerlicher zu. Das Tattoo auf ihrem Arm stellt Frida Kahlo dar – ich bin der erste, dem das im Urlaub aufgefallen war. Jetzt wird es gleich Abendessen geben, dann hab ich hier alles gesehen und fahre morgen nach Nkhata Bay – eine lange und anstrengende Fahrt nochmal.
















