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Thumbi View Lodge
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Thumbi Island
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In den letzten Tagen habe ich schlecht geschlafen. Seit dem Abendessen gestern ging tropischer Regen nieder – stundenlang. Morgens gegen drei Uhr trommelte es immer noch auf das Blechdach. Ich hatte immer nur stundenweise geschlafen, dazu kam noch eine Mücke, die es unters Moskitonetz geschafft hatte. Zum Frühstück klarte es auf. Beim Schneider hab ich wieder eine Naht an einem Packsack nachziehen lassen – Frühstück gab es dann erst verspätet um acht. Kurz nach acht Uhr dreißig hatte ich ausgecheckt und meine Rechnungen bezahlt. 53.000 Kwatcha für dreimal Abendessen und zweimal Mittag, dazu knapp zehn Minibier – dreiundfünfzig Euro. Mit den neunzig Euro für die Übernachtung komme ich auf fünfzig Euro am Tag – unterm Strich garnicht so schlimm.
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| Motorradtaxi mit meinem Rucksack - er lud mich kurz zu sich nach Hause ein |
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Ein Motorradtaxi brachte mich für 4.000 Kwatcha nach Monkey Bay. Es war das erste Mal ein schickes Bike in gutem Zustand. Als kurz nach der Abfahrt nochmal ein Regenguss einsetzte, machten wir einen Zwischenstop bei ihm zu Hause: fünf Minuten – ich wollte dann los, da der Himmel wolkenverhangen ist. Es wird nicht besser werden. Sein Haus hatte die Größe einer DDR-Garage. Der hintere Teil war mit einem Netzvorhang abgedeckt, man sah Kleidung dort hängen und darunter war sicher die Schlafstatt. Wir saßen im Vorderteil: zwei zweisitzige Sessel, ein Einsitzer, ein kleiner Couchtisch, ein Kunststoffregal aus Kisten, in dem Plastikgeschirr lagerte – ordentlich. Vor den Sesseln ein Fernseher, der gerade mp3-Dateien abspielte, drunter wohl ein Sat-Receiver oder ein DVD-Player. Neben mir stand ein mobiles Holzkohlestövchen zum Essenkochen. Oben lag das silbergraue Wellblechdach drüber. Die Wände, wenn ich mich recht erinnere, waren aus unverputzten Ziegeln. Wahrscheinlich bedeutete das schon ziemlichen Wohlstand hier. Jannik, so sein Name, hat es bis zur Sekundarstufe geschafft, gut abgeschnitten - für mehr hatten die Eltern kein Geld.
Inzwischen sitze ich im Shared Taxi Richtung Senga Bay. Ich muss mindestens noch einmal umsteigen und am Ende wieder ein Motorrad nehmen. Würde mich freuen, bei Mélissa und Maelle in der Lodge unterzukommen. Wir haben uns vage fürs Abendessen verabredet.
Es waren dann neben dem Motorrad noch drei Shared Taxis, zusammen 17.000 Kwatcha – gedauert hatte das bis etwa vierzehn Uhr. Das erste shared Taxi gehörte dem Fahrer selbst, er wollte seine Urlaubskasse aufbessern. Eigentlich arbeitet er für die Primarstufe, hat hundertfünfzig (!) Schüler vor sich sitzen. Nicht immer kommen alle – zum Beispiel, wenn es in der Familie nicht genug zu essen gibt – weniger deshalb, weil die Kinder in der Landwirtschaft mithelfen müssten.
Der Wechsel zum zweiten Taxi war fließend. Auch er suchte sich noch eine Weile die Fahrgäste zusammen.

Nach einer Stunde gab es eine Reifenpanne, dann mussten alle raus in den Regen - außer der Frau mit Kind. Der Radwechsel ging flott. Um den Wagenheber drunterzubekommen, haben vier Männer das Auto mit Frau ausgehoben. Wir saßen zu elft da drin – im Siebensitzer. Das hat auch zwei Polizeikontrollen nicht interessiert. Kurz vorher hatte ich im Auto noch mit meiner Tochter Yamuna telefoniert. Auch der zweite Wechsel ging fliegend – aber wieder mit Fahrgastsuche am Beginn. Dafür wurde ich bis zum Hotel gefahren. Die zwei Mädels waren gerade noch da, machten sich aber auf den Weg zur Apotheke, um das Bilharziosemittelchen zu kaufen. Ich hätte bei meiner Vorauswahl bleiben sollen – das Hotel geht so - gemütlich ist es nicht. Es liegt am Ende des Strandes, der völlig verdreckt ist. Das Wasser im See ist braun von einem Zufluss, der das schlammige Regenwasser einspült. Das ist verschmerzbar, der Plastemüll nicht. Ich hatte erst einmal ausgepackt und mein Zeug in die Wäsche gegeben und mich selbst geduscht. Gleich danach ging es zur Strandwanderung. Hier bei der Mufrasa-Lodge, wo ich eigentlich schlafen wollte, hat die Kneipe Flair und die Einheimischen spielen glücklich und ausgelassen Ball am Strand oder baden. Kein Unterschied zur Ostsee. Hier haben die Körper nur viel mehr Bräune, sodass die Ostseeurlauber allein schon vor Neid erblassen würden.
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Francis Cafe vor der Mufrasa Lodge
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Ich bin der einzige Weiße hier. Boote liegen am Strand. Die Fischer sitzen daneben und flicken gemeinsam ihre riesigen ausgebreiteten Netze. Für die Minifische müssen die Netze dicht sein. Unterwegs wurden etwa dreißig Zentimeter große Fische am Straßenrand verkauft.
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| Netzflicker |
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| Fischernetze |
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... wer kennt Michael?
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Auf mehr als zwei Tage hab ich hier auch keine Lust. Ich werde weiterziehen – wahrscheinlich nach Nkhotakota, um mich dann wieder südwärts Richtung Flughafen zu bewegen. Den 28. verbringe ich hier, den Tag drauf mit Fahrerei, dann bleibt mir noch genau eine Woche. Ich habe mein Tauchbuch gefunden – da liegt sicher der Tauchschein dabei. Vielleicht mache ich in Nkhotakota ein Update für meinen Tauchschein.
Am Strand waschen die Einheimischen ihre Wäsche – sicher kein biologisch abbaubares Waschmittel. Die Umwelt leidet überall unter uns Menschen. Mélissa hatte auf ihrer Domwe-Insel auch mangelnde Diversität hinsichtlich der bunten Fische bemängelt.
Es regnet wohl gleich – es sieht so aus, als ob ich zurück muss.
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Ich lief in die andere Richtung – zu den Fischerbooten. Trotz des drohenden Regens. Und je näher ich denen kam, umso begeisterter wurde ich: hunderte von bunten Fischerbooten, hunderte Einbäume dazwischen. Auf dem Boden saßen die Fischer inmitten ihrer Netze und flickten die Löcher. Da wurde von vielen Händen eifrig geknotet. Andere schoben vereint die großen Boote aus dem Wasser, immer zentimeterweise. Bei zweien half ich mit. Einer gab den Takt an und es wurde gehoben, geschoben und gewuchtet. Heute fuhr keiner mehr raus, da zuviel Wind geht. Aber voraussichtlich gegen morgen Abend wollen sie los. Ich möchte das nicht verpassen - das ist beeindruckend, wenn sich eine ganze Armada an Booten aufs Wasser schiebt. Ob mit Motor oder mit Muskelkraft – das muss ich sehen. Wenn es keinen argen Regen gibt, werde ich morgen dort sein. Sonst kann man hier wohl nicht viel tun. Es ist gut, wenn ich übermorgen abreise. Nur wohin – das muss ich mir noch überlegen.
Heute Abend war ich dann doch hier in der Lodge Abendessen – mit den Mädels. Schade eigentlich, dass sich unsere Wege trennen. Die beiden gehen dann wohl nach Lilongwe und fliegen am zweiten Januar nachmittags nach der Elfenbeinküste. Ich hab ein paar Tage mehr und Null-Bock auf Lilongwe. Bei den Mädels kommt noch Togo dran bis Mitte Februar und Mélissa fliegt weiter nach Kolumbien. Sie wird dann erst im April/Mai zu Hause sein.
Da bin ich längst wieder drin in meiner Mühle…
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| Fischernetze |
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| Einbäume |
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Einbäume und Boote von Muslimen
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Boote an Land
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Sooo viele Boote
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Blick aus dem "Hafengebäude"
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... in die andere Richtung
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...noch mehr Boote
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Boote, Boote, Boote
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... und noch mehr
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... und mehr
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 |
...und mehr
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