21.12.22 Liwonde Nationalpark

Ein großartiger Tag! Sieben Uhr gab es Eierkuchen mit Obst und guten Kaffee dazu. Ich lief nochmal kurz ins Stadtzentrum – wechselte zweihundert Euro bar für 290.000 Kwatcha (90.000 mehr als mit Kreditkarte am Automaten) und organisierte ein paar Briefmarken. Danach packte ich zusammen, duschte nochmal und machte mich auf nach Liwonde. Von der Kutchie Lodge hatte ich mehrfach gehört – sie liegt im Nationalpark und ich wollte mehr davon. Dreifünfzig für den Bus, vier Euro für das Mopedtaxi. Hier kostet der Tag fünfzig Euro mit Vollpension zzgl. dreißig Eintritt für den Park und Aktivitäten zu je fünfundzwanzig. Aber man muss hier garnicht weg: die Tiere kommen vorbei. Antilopen, Impalas, Kudus, andere. Kingfisher, schwarzweiße Fischer, bunte Vögel, überall im Camp liegt Elefantenkacke. Paviane wohnen ganz in der Nähe, Halbaffen waren zu sehen. Gegenüber stürzte ein Kitz vom Hochufer, weil der Boden nachgab. Ich war gegen elf Uhr hier, es gab Burger zum Mittagessen und den Rest des Tages bis zum Sonnenuntergang saß ich mit dem Fernglas am Fluss. Das alles ist jeden Cent wert, denke ich – auch wenn ich weiter mein selbstgesetztes Budget überziehe. Morgen möchte ich morgens eine Bootstour machen, übermorgen eine letzte mit dem Jeep. Dann muss ich schon wieder weg – ich könnte deutlich länger bleiben. Meine Hütte selbst hat leider keine Aussicht auf den Fluss. Dafür müsste man ein Baumhaus haben – das wäre toll für die Nacht – da gibt es dann nämlich eine Ausgangssperre. Auch hier leben Löwen… Die Gäste hier: die zwei jungen Französinnen, die beide etwas kränklich waren gestern und heute morgen, eine deutsche Familie aus Blantyre, die seit fünf Jahren hier für die Kirche, eine Mission arbeiten - mit drei blonden Mädels und ihrem ehemaligen deutschen Privatlehrer, der auch ein Jahr hier war. Dazu eine norwegische Mutter mit drei Pubertieren und eine weiße Familie mit zwei Jungen und Großvater – vermute ich. Vielleicht eher aus Südafrika. 
Meine Fahrt hierher ging zeitweise durch den Regen. Die auf dem Moped auch – mein Hemd war pitschnass. Aber es ist warm und ich fühle mich wunderbar hier. Ich hatte lange keine soo tolle Reise gemacht: friedlich, entspannt, naturverbunden, hochinteressant, fremd und doch irgendwie vertraut. Und weil so wenige typische Touristen hier sind, ist auch das Flair ein ganz besonderes.
Eigentlich bräuchte ich jetzt ein Buch über afrikanische Vögel  - jetzt und hier. Und ich muss nach den deutschen Namen der Tiere hier suchen. Bald wird es Abendbrot geben.
In der Ferne hört man gelegentlich eine Eisenbahn. Mit dem Moped im Regen mussten wir eine Ewigkeit an einem Bahnübergang warten und einen endlos langen, langsamen Zug passieren lassen. Hunderte Waggons mit zusätzlichen gelben Lokomotiven zwischendrin. Von der Stadt Liwonde sind wir acht Kilometer entfernt. In der Umgebung gibt es nur sandige Pisten und verstreut liegende, unansehnliche Bauernhäuser. Im Regen sah heute alles ziemlich schlammig und ungemütlich aus da in der Umgebung – keineswegs einladend. Der Weg war voller Pfützen und der Fahrer schlängelte sich um die meisten drumherum.
Toll, wie schnell man hier ins Gespräch kommt. Zum Abendbrottisch gesellte sich Nadine mit ihrem Sohn und ihrem Bruder nebst Freundin. Sie lebte lange in Zomba und jetzt in Lilongwe und ist seit zwölf Jahren hier mit der GIZ als Entwicklungshelferin. Ihre Aufgabe ist die Qualifizierung der Pflegekräfte in Malawi. Im kommenden Jahr wird ihre Zeit hier zu Ende gehen. Ihr Sohn spricht deutsch, englisch und die Landessprache und ist mit den Einheimischen groß geworden. Ich werde richtig neidisch, wenn ich von solchen Biographien höre. Früher war sie auch durch Asien mit dem Rucksack gereist… (Warum sind uns solche Lebensmodelle nie aufgefallen oder angeboten wurden? Warum haben wir kaum von solchen Möglichkeiten gehört? Irgendwie war mein Job für sowas auch ungeeignet. Andererseits bin ich auch extrem im Deutschen verwurzelt, ich brauche unsere Kultur.)
Als die vier dann zu ihrem Baumhaus eskortiert wurden, da hier nachts auch mal Elefanten und Flusspferde spazieren gehen, setzte ich mich mit ans Lagerfeuer. Nun kam ich auch ins Gespräch mit den beiden Hübschen aus der Pachachere-Lodge in Zomba. Melissa, die große Schlanke, ist aus Frankreich, Maille, die Blonde mit der großen Brille aus Belgien. Sie sind vier Monate in Afrika unterwegs, erst Ruanda und am Schluss die Elfenbeinküste. Melissa hat Lehramt studiert, Maille Psychologie. In Belgien ist der Akzent nicht so stark wie der französische. Dennoch war es süß, den beiden zuzuhören – sehr sympathisch. Erstaunlich, dass sich beide nur durch Facebook kennengelernt haben, um diese Reise zusammen zu machen.
Diese Gespräche sind eigentlich genau das, was ich mir von Malawi erhofft hatte – ich lag richtig mit meiner Vermutung, hier Leute zu treffen, mit denen ich auf einer Wellenlänge bin. Auch wir wurden dann zu unserem Nachtlager eskortiert: die zwei zum Schlafsaal, ich in meine hübsche Rundhütte. Heute hätte ich auch gern den Schlafsaal gewählt.

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