18.12.22 Majete Nationalpark

Fünf Uhr klingelte der Wecker. Es war nur leicht bewölkt, draußen alles nass vom nächtlichen Regen. Der hatte mich schon nachts geweckt: durch die Gazefenster sprühten einzelne Regentropfen. Ich schloss den textilen Vorhang vor dem Gazefenster und grub mich nun auch unter die Bettdecke, die ich vorher überhaupt nicht benötigt hatte. Es raschelte nachts – und meine an einem Gestell aufgehängten Mangos waren Opfer von Nagern geworden. Die Tüte war angeknabbert und zwei Früchte angefressen, der unversehrte Rest wurde mein Frühstück bzw. kam in der Küche an der Lobby in den Kühlschrank. Der Frosch, der den Wasserhahn bewachte, war verschwunden, kam aber dann abends wieder. Ich konnte in Ruhe meine fünf Mangos frühstücken und der schwere Toyota Geländewagen kam diesmal erst sechs Uhr fünfundvierzig. Zwei sehr junge Mädels saßen im Auto, die für ein Jahr in Malawi leben und gerade in Blantyre zu Hause sind. Eine davon sah aus wie ein etwas barocker Engel: weiße Haut, rote Wangen, rundlich aber nicht dick mit einem unschuldigen Lächeln. Ihr hätte ich das Abenteuer nicht zugetraut. Aber die beiden fühlten sich offensichtlich sehr wohl, wohnten in einer Lodge außerhalb des Parks (kluge Entscheidung). Wir haben nicht viel miteinander gesprochen – wir wollten ja Tiere sehen. 

Wir sahen Impalas, Warzenschweine, Kudus, Paviane, einen Elefanten am gegenüberliegenden Ufer, zwei Flusspferde im Wasser – nicht viel. Eine Zikade zeigte uns der Guide noch – die waren für die Mädels auch akustisch neu mit ihrem immensen Lärm.

Dennoch finde ich es spannend, einen Ort zu erkunden, an dem soviel Leben ist. Um mir die teuren Shuttlefahrten zwischen Lobby und Campingplatz zu ersparen, verbrachte ich meine Zeit danach am Pool, las in Thomas‘ Buch, trank vormittags schon zwei Bier. Zweimal war ich kurz im Wasser, was die gelangweilten Beschäftigten auf die Idee brachte, doch einmal Laub und Insekten abzufischen. Unter einem Kissen der Sitzgelegenheiten entdeckte ich ein fünf Zentimeter großes, flaches bizarres Tierchen. Es war eher Ekel und Angst vor Gefahr, dass ich es abklopfte, bevor ich es fotografieren wollte. Vielleicht finde ich es im Netz. Irgendein kleines Gliedertierchen in blau und rot mit hunderten Fühlern oder Beinchen an der Seite. Eigentlich wunderschön. Zum Mittag aß ich Gemüsecurry mit Pommes und es gab ein Bier dazu. Danach konnte ich doch gratis zu meiner Hütte. Ich wollte doch lieber dort in der Natur sein. Es gab dann einen anderen Angestellten, der für den Tag dortblieb. Er zeigte mir zwei grüne Schlangen, die auf den Lehnen der Regiestühle in der Lobby lagen: schlank, lang, grün und sehr hübsch, ungefährlich. Trotzdem machte eine von beiden ganz schöne Drohgebärden und wanderte später auf den Tresen der Bar in eine geflochtene Schale.

Wenig später wurde ich zur Abendfahrt abgeholt, die mit 35$ auch etwas teurer ist. Aber wenn schon, denn schon. Es kamen fünf Südafrikaner dazu, die zusammen mit eigenem Auto angereist waren. Der Sohn lebt seit fast fünf Jahren in Malawi, die Eltern waren erstmals in Majete bei ihm zu Besuch. Ihr Interesse galt den Vögeln, Akkusativ. Mit etwas Verspätung ging es zur Startbahn des kleinen Flughafens. Dort waren die meisten Vögel zu finden. Wie toll, dass ich ein gutes Fernglas dabeihatte: Bienenfresser, Kingfisher, weitere Eisvögel, wunderschöne Vögel in wunderbaren Farben. Unser Fahrer erkannte alle ohne Fernglas und konnte uns auf alle hinweisen. Leider fielen zu viele englische Namen – ich konnte mir nichts merken. Es gab später auch wieder einen Elefanten zu sehen, diesmal sogar deutlich näher. Auf einer Insel im Fluss zwei große Krokodile, im Fluss zwei Hippos mit Baby. Eine Leoparden-Schildkröte saß in einem trockenen Bachlauf. Unterwegs zerlegte ein Raubvogel ganz in der Nähe ein kleines Impala. Es gab einen Bussard mit Krawatte zu sehen. Nach einem Sundowner (den Stopp fand ich sinnlos und unnötig) brach die Dämmerung herein. Es besteht die Hoffnung, Raubtiere zu entdecken. Leider hatten wir kein Glück. Aber die Vogelfreunde entdeckten zwei Eulen in den Zweigen. Es war anstrengend, dem Lichtkegel mit den Augen zu folgen und nebenher auf der Piste durchgeschaukelt zu werden. Als wir ankamen, saßen die Frösche wieder in der Lobby, die Schlangen waren weg, das Lagerfeuer knisterte. Es gab Mango mit Weißbrot und ich saß eine Weile am Feuer und bewunderte den südlichen Sternhimmel. Der Orion steht fast im Zenit und man sieht den springenden Sirius und tausend weitere Sterne, der Mond liegt auf der flachen Seite (heute allerdings ist er noch nicht zu sehen – nur am Horizont deutet sich ein heller Lichtschein an). Ich hatte extra alle Lichter ausgemacht. So blöd wie der Stromausfall mir gestern schien: hier in der Einöde ist jede Lampe Ziel abertausender Insekten. Man wagt sich kaum zur Toilette – der Weg dahin wirkt wie eine Prüfung im Dschungelcamp. Nachdem das Licht auf der Herrentoilette eine Weile aus war, bestand die Barriere nicht mehr. Die Damentoilette war noch hell erleuchtet - 😛.

Noch vor einundzwanzig Uhr war ich im Bett, ohne Schlafbier heute.













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