17.12.22 Majete Nationalpark

Kurz nach sechs Uhr waren wir aufgebrochen, um Richtung Likhubula zu wandern. Der junge Israeli auf der Hütte hat ewig seine tausend Sachen gepackt, war etwa auch zeitgleich mit mir aufgestanden. Er wollte mit ganzem Gepäck auf den 3002m hohen Gipfel, um mit allem wieder abzusteigen. (Er musste den Plunder ja nicht selbst tragen). Mit ihm war ich ohnehin nicht recht warm geworden – paar hilfreiche Tipps hatte ich aber auch von ihm bekommen.  Er saß den Rest des gestrigen Tages vorm Smartphone und sah sich runtergeladene Serien an.

Unsere Wanderung war sehr leicht – es ging nur sehr selten mal ein winziges Stück bergan und überwiegend moderat bergab. Hier musste auch der Aufstieg leichter fallen. Je weiter es bergab in Richtung Ort ging, umso mehr holztragende Frauen überholten wir. Im Wald hörte man immer wieder Äxte schlagen. Eine Holzträgerin schimpfte laut, Griven übersetzte, dass sie sagte, dass sie fünf Tage nichts zu essen hatte und nun deswegen Holz holen muss. Dies war die erste unfreundlich wirkende Frau bisher. Etwa eine Stunde vor dem Ort erreichten wir den Wasserfall. Ich war dennoch ordentlich durchgeschwitzt, wusch dort also kurz mein Hemd und ging dann baden – auch nur kurz. Das Wasser war weniger kalt als befürchtet, gefühlt vielleicht zwanzig bis zweiundzwanzig Grad. Die Pause wurde so ein Stück länger – alle Lebensmittel, alle Getränke waren dann aufgebraucht. Wenig später erreichten wir Likhubula. Ich ärgerte mich ein wenig, nicht dort geschlafen zu haben – die Landschaft war wunderschön, es gab ein paar Ziegelbrennereien, Teeplantagen und ein paar mehr Handwerker. Dort hätte sich der Abend schöner verbringen lassen. Allerdings wäre der Einkauf der Lebensmittel schwieriger geworden. Mein Guide und der Träger hielten zwei Mopedtaxis an. Auf einem nahmen die beiden Platz, ich auf dem anderen. Schön, diese Landschaft nochmal an sich vorbeiziehen zu sehen. An meinem Hotel holte ich den Rucksack ab, ich bezahlte und merkte, dass sich beide dennoch unzufrieden mit dem ausgehandelten Deal zeigten. Ich gab beiden noch fünf Euro Trinkgeld und wurde dann noch die hundert Meter bis zum Bus gebracht. Der brachte mich nach Limbe, wieder vorbei an der Stadt mit dem großen Markt, in der wir länger hielten, da viele ausgestiegen waren. Kurz nach meinem Zustieg saßen etwa fünfundzwanzig Mann in diesem Kleinbus in der Größe eines VW-Busses. Ohne Verzug ging das Umsteigen nach Blantyre, irgendwer trug meinen Rucksack zum nächsten Bus. Nicht viel komplizierter war das Umsteigen in Blantyre. Hundert Meter musste ich vielleicht zu Fuss gehen. Im Bus musste ich eine Weile warten, bis er voll wurde. Dann ging es Richtung Chikwawa, von wo es nicht mehr weit war bis zum Majete Nationalpark. Kurz vorm Ziel hielt der Bus zum Mangokaufen. Ich gab tausend Kwatcha, bekam fünfhundert zurück und zwanzig Mangos in einer großen Plastiktüte. Was soll ich mit zwanzig Mangos?! In Chikwawa musste ich daran erinnern, dass ich nach Majete will, der Bus war schon hundert Meter hinter der Kreuzung in die falsche Richtung weitergefahren. Ich lief erst einmal aus dem Straßenmarkt heraus zu einem Supermarkt. Da ich als Ziel einen Campingplatz ansteuerte, kaufte ich vorsorglich eine teure Packung Toastbrot und zwei Liter Wasser, was sich später als sinnvoll erwies. Vor dem Laden erbot sich ein netter Radfahrer, mich und mein Gepäck die neunzehn Kilometer für sechs Euro auf dem gepolsterten Rücksitz mitzunehmen. Ich bin kein Sklaventreiber und lehnte freundlich ab. Ein Motorradtaxi wollte 7500, ich sagte zu. Geschwind war der große Rucksack hinten verzurrt, den kleinen hatte ich weiter auf dem Rücken. Erst ging es zur Tankstelle, um anderthalb Liter Benzin für zwei Euro zu tanken. Nebenan ein junger Mopedfahrer tankte nur einen dreiviertel Liter.

Selbst das Motorrad hatte dann mit den etwa 130kg extra zu kämpfen. Auf der wellig gefahrenen Sandpiste drohte das Moped unter meinem Hintern auseinanderzufallen, die Fussrasten vibrierten, es wurde heiß. Zwischendurch fielen erstmals am Tage ein paar Regentropfen, als wir am Park ankamen, wurde es ein ziemlicher Gewitterguss. 

Ich war anfangs geschockt von den Preisen: siebzig Dollar je Nacht für die Hütte (nein: kein Zelt bei Ameisen und Krabbeltieren), dazu dreißig Dollar Eintritt, je Tag! Und der Gipfel: jede Fahrt zwischen Zeltplatz und Rezeption bzw. Restaurant sollte zehn Dollar kosten. Ich war etwas angepisst. Am Ende konnte ich mir Essen zum Zeltplatz liefern lassen und das Problem hatte sich gelöst. Ein Bier dort am Restaurant, eines zum Mitnehmen für gleich und eines mit dem Essen.

Ich war fast der einzige Gast in dem großen Gelände. Zur Sicherheit mit einem Elekrozaun umgeben, da wir hier inmitten wilder Tiere leben. Antilopen und ein Warzenschwein gab es gleich zu sehen. Meine Hütte ist hübsch – auch das Gelände und der Zeltplatzwächter, nett und zuvorkommend, hat sich Zeit genommen, mit mir zu plaudern. Ich verbrachte den Abend hier im Gelände und hatte mich für den Folgetag für sechs Uhr zur Morgensafari angemeldet. Bis zum Einbruch der Dunkelheit blieb ich allein hier. Ich schaute mich um und fotografierte. Gegen neunzehn oder zwanzig Uhr kam ein Luxemburger Biologe/Epidemiologe, der seit fünfeinhalb Jahren hier in Blantyre lebt, arbeitet und forscht. Seine Freizeit verbringt er mit faszinierenden Touren in die Nationalparks  und noch touristisch unerschlossene tolle Gebiete mit Elefanten (elephant marsh zum Beispiel). Das Gespräch mit ihm war sehr interessant, abends am Lagerfeuer. Er erzählte von Malaria, Beerdigungen und Hochzeiten und ein wenig von seiner Arbeit und was er hier im Park und auf dem Campingplatz schon alles gesehen hat. Er schläft preiswert im eigenen Zelt und hat ein eigenes Auto dabei. Irgendwie sehr beneidenswert. Gern hätte ich länger mit ihm gequatscht. Wir verzogen uns dann aber beide beizeiten in unsere Nachtquartiere.














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