15.12.22 Chisepo Hut
Gut geschlafen hatte ich nicht in der letzten Nacht – der Schlafsack ist doch zu dünn für hier oben. Ich lag auf zwei dünnen Matratzen, dass es zumindest weich und bequem war. Wir waren dann gegen sieben Uhr dreißig aufgebrochen. Vorher gab es noch Kaffee zum Frühstück, eine Ananas teilte ich mit meinen Guides und dazu gab es Brötchen und Marmelade. Beides nicht lecker – aber sättigend.
Gegenüber gestern war das Wandern heute sehr entspannt: zweimal etwa dreihundert Höhenmeter rauf, zwischendurch ging es etwas länger geradeaus oder leicht bergab. Die Chisepohütte steht auf 2250 Metern über dem Meeresspiegel. Auf halber Strecke hatte sich der Himmel zugezogen, einige Wolken stiegen am Hang auf, andere fielen ihnen über die Berghänge entgegen. Es blieb trocken, bis wir hier nach etwa vier Stunden angekommen waren: ein kurzer Tag. Ich saß mit einem Kaffee in der Hütte des Hüttenwartes mit meinen Guides, dann erkundete ich die Gegend ein wenig, nachdem der kurze schwache Regen aufgehört hatte. Eigentlich wollte ich danach etwas ruhen, bearbeitete aber meine Fotos. Gegen dreizehn Uhr kam Antoine aus Frankreich mit seinem Guide hier oben an. Er war den ganzen Weg von unten in fünf Stunden aufgestiegen, äußerst sportlich – außerdem mit mehr Gepäck. Er will morgen auf den höchsten Gipfel hier, der 3002 Meter hoch ist. Wenn es nicht regnet – wie jetzt. Sonst ist er auf einer neunmonatigen Reise durch Afrika. Sein Tipp war Likoma-Island, das ich eigentlich weglassen wollte. Ich hab dann intensiv weitergefragt und jede Menge gute Tipps bekommen. Das macht das Planen jetzt für mich einfacher. Zwischen unserer Unterhaltung wurde das Essen fertig. Mein Guide hat meine Spaghettis gebracht und sogar ein wenig des leckeren Gemüses, dass sie heute für sich selbst gekocht hatten. Sonst hätte es wieder nur Nudeln ohne alles gegeben. Für morgen sind noch zwei Instantnudelsuppen übrig und ein Rest Spaghettis. Frühstück passt auch für zwei weitere Morgen in den Bergen. Dann muss ich mir keine Mäuse fangen und grillen. Vorgestern abend waren meine Guides nicht in der Nähe, ich hatte mich zu zwei Waldarbeitern gesetzt. Beide konnten etwas Englisch und waren wie alle hier nett und freundlich. Bei einem von beiden bestand das T-Shirt aus Löchern in allen Größen, die von noch wenigen Fasern in der Form eines Kleidungsstücks gehalten wurden. Dafür hatte er Sandalen an, während der andere barfuß war. Trotzdem waren beide gut drauf. Erst später fielen mir die beiden Mäuse auf, die in der noch leicht glimmenden Glut lagen. Mit Haut und Haaren lagen die da im Feuer und der Typ neben mir wendete sie immer wieder behende mit den Fingern. Beim Essen wollte ich dann doch nicht zuschauen – wobei mich das schon interessiert hätte, wie die abgeknabbert werden. Bei mir gab es dafür zum Abendessen auch bloß noch drei mitgebrachte, kleine Bananen, die nicht mehr wirklich gut aussahen, dafür aber sehr aromatisch schmeckten. Außerdem gab es ein Bier. Hatte ich das schon geschrieben? Heute werde ich trocken ausgehen. Mein Orangensaft hat sich als Konzentrat entpuppt, mit dem ich jetzt mein Trinkwasser aufbessern kann.
Bei meinem spätnachmittäglichen Spaziergang lief ich ein Stück neben dem Fluss bergab, an dem unsere Hütte steht. Der Regen hatte sich etwas verzogen und man konnte wieder weit ins Land blicken. Beim Versuch, den Fluss zum fünften Mal zu überqueren, sah ich auf einem der Steine Ameisen in Hunderterreihe nebeneinanderlaufen und sich mit einer ebenso breiten Straße zu vereinen. Das mutete an wie in einem alten Monumentalfilm, wenn zwei Heere zusammenströmen. Ein Fussbreit neben der Straße war zu wenig, das Fotografieren gab ich schnell auf: ich wurde angegriffen und rettete mich schnell auf weitere Steine. Inzwischen pikte es in den Kniekehlen und höher. Zum Glück war ich allein in der Einsamkeit, um den Kampf mit den Krabbeltierchen aufzunehmen. Ein paar verirrte Ameisen quälten mich noch Minuten später. Dafür entdeckte ich so im Unterholz eine schöne Orchidee.
Internetzugang habe ich auch dort unten am Fluss nicht bekommen – nur das Telefonieren wäre gegangen. Meine Blogeinträge kommen also verspätet und massiv.
Heute früh hat mir der Guide eröffnet, dass er 20$ am Tag kostet und der Träger 15$. Das war eigentlich anders ausgemacht – aber ich wollte ohnehin mehr geben. Und zehn Dollar am Tag für jeden wäre auch ziemliche Ausbeuterei.
Die Hütte und den Service hatte ich mit viertausend bezahlt, eigentlich nur zweieinhalbtausend. So preiswert hatte ich zuletzt in Nepal beim Annapurnatrek übernachtet. Dafür machen die Hüttenwarte hier auch noch Feuer für die Guides, kochen Wasser für Getränke oder zum Waschen. Eigentlich soll man auf warmes Wasser und Feuer im Kamin der Hütte möglichst verzichten, da so immer mehr hier abgeholzt wird. Nichtsdestotrotz duftet das Feuer wunderbar. Es sind immer ein paar Scheite malawische Zeder darunter. Ich hatte heute einige Stunden einen großen Span mit mir herumgetragen, weil der so fantastisch roch.
Was ich gestern für ein Gewölle von Raubvögeln gehalten hatte war sehr wahrscheinlich Kot von einer schönen, nachtaktiven Wildkatze (felis serval), die hier lebt, die aber noch keiner gesehen hat. In der heutigen Hütte hängt ein Foto davon und die Bitte, Ort und Zeit zu melden. Aber war fotografiert schon Kacke.





























