14.12.22 Lichenya Hut

 


Lichenya Hut


Blick zum Ziel
Aufstieg

Der Träger

Träger beim Wasserschöpfen

... immer voraus

Baumfarne

... bis drei Meter hoch

Blick zurück nach Norden

Porter and Guide

Blick entlang des Ausstiegshangs

eine der ersten schönen Aussichten zurück
Grasland
Pause
erste dickere Wolken

 

Der Aufstieg war anstrengend: 1.300m Aufstieg, der Start war bei etwa 650m über dem Meeresspiegel, bei 1.950m haben wir den Pass überwunden und das Hochplateau erreicht. Aber ich sollte besser am Morgen beginnen. Gegen 4:50 Uhr war ich wach geworden. Es war schon hell und ich meinte, zarte Akkorde auf einer Gitarre zu hören. Ich drehte mich nochmal um, war aber dann schon kurz nach fünf Uhr aufgestanden. Ich musste noch mein Gepäck optimieren: der große Rucksack blieb beim Hotel, den kleinen 30kg-Rucksack mit den Lebensmitteln und Getränken trägt der Guide, ich habe den Minirucksack mit 10 Liter Gepäck vollgestopft: nur das wichtigste. Wechselklamotten (meine Hose steht schon jetzt vor Dreck), einen Hüttenschlafsack aus Baumwolle, Regenjacke und ein Cape, falls es doll regnet. Solarladegerät  und Powerbank, da es vier Tage keinen Strom geben wird. Eine Taschenlampe, das nötigste Waschzeug, ein Handtuch. Einen Wasserfilter – für den Notfall. Hier oben wage ich mich aus der Leitung zu trinken, nichts kann das Wasser verunreinigen. Außer Affen vielleicht, die noch weiter oben in den Bergen sein könnten. Bis auf über dreitausend Meter steigt der Mulanje an – einer der höchsten Berge Afrikas, sagte der Guide. Da hat er aber wenigstens das Hochland von Ethiopien ignoriert. 

Teeplantage beim Start

Teeplantagen
... riechen nach Glyphosat

 

 

 

Kurz nach sechs Uhr kam mein Guide auf einem Fahrradrücksitz bei mir an – er wohnt etwa zehn Kilometer entfernt in einem Haus aus Ziegelsteinen. Seine Frau lebt dort und der siebzigjährige Vater, der immer noch recht fit sein soll und am Tag auch noch zwei bis drei Kilometer läuft. Drei Kinder und acht Enkel hat er – wirkt aber deutlich jünger als ich. Den Träger trafen wir dann nach etwa einem Kilometer an der Touristeninfo. Von dort liefen wir zu dritt. Der Weg begann unscheinbar zwischen den Häusern an der Straße. Es ging noch an einigen Häusern vorbei, über ein kleines Flüsschen und Wiesen, ehe wir die Teeplantagen erreichten. Als ich nach Schlangen fragte, die in Indien und Sri Lanka viele Teepflückerinnen töten, hieß es, das es hier keine gibt. Manchmal werden auch Chemikalien gespritzt. Als ich wenig später deutlich und stark Glyphosat roch, konnte ich es mir nicht verkneifen aufzuklären. Nur ein Stück weiter begegneten uns die ersten von ein paar Dutzend Frauen, die große Ladungen Feuerholz aus den Hängen des Berges nach unten trugen. Die etwa drei Meter langen Hölzer, bestimmt zwanzig bis dreißig Kilogramm schwer, balancieren die schlanken Frauen elegant auf dem Kopf. Ein Lächeln, ein Hallo und ein How are you. Barfuss – und das gesammelte Holz würde auf dem Markt wohl 2000Kwatcha bringen: 1,50 bis zwei Euro. Wo ich zum Spaß, wegen der Natur und mit ein wenig Selbstkasteiung ohne Not auf den Berg steige, tun das diese Frauen täglich – und legen da auch bis zu 500 Höhenmeter zurück. Weiter oben begegnete uns keine mehr. Ein Stück weiter ging es durch ein Waldbrandgebiet zwischen Eukalyptusbäumen. Ganz tot waren diese wohl noch nicht. Ein paar Schritte weiter fand ich den ersten Kohlenmeiler – darum kümmerten sich überwiegend Männer – an einem Flusslauf trafen wir einige – wir machten dort auf einem Felsen auch eine kurze Pause. Zum Glück gab es nicht noch mehr Umweltfrevel zu sehen. Die Hitze wurde stärker, der Durst groß. Diesmal hatte ich genug mitgenommen. Die Aussicht wurde vor allem auf den ersten zwei Dritteln immer grandioser. Langsam zogen auch paar Wolken auf, sodass mein Sonnenbrand vielleicht nicht noch schlimmer wird.

Wasserlauf

Köhlerei
Waldbrände - überall

 

 

 

 

 

Die letzten zweihundert Höhenmeter schienen dann einfacher. Wir waren mit Pausen in etwa sechs Stunden oben, eine Stunde mehr brauchten wir bergab zur Hütte.

Aussicht

Aufstieg mit guide und porter
Päuschen

 

 

 

 

 

Unterwegs sah ich noch einen schönen Falter, auf dem Hochplateau dann wilde Gladiolen und Glockenblumen. Auch Brombeeren oder sowas gibt es hier. Daneben Baumfarne, Orchideen und vieles Unbekannte.

Aussicht

Falter
Falter

 

 

 

 

 

 

Die Hütte liegt schön in einen Regenwald gebettet – oder was davon übrig ist. Der Hüttenwirt lebt allein hier oben.Er machte uns Wasser heiß für einen Kaffee und kochte meine Spaghettis. Meine beiden Guides, haben in seiner Hütte ihr eigenes Essen gekocht: aus Mehl eine angedickte weiße Pampe, die hier wohl Nationalspeise ist. Gestern abend im Hotel hatte das Personal auch dieses Zeug mit den Fingern von einem gemeinsamen großen Teller geklaubt, und zu Bällchen in der Größe kleiner Hühnereier geformt. Die wurden dann in irgendetwas eingetaucht. Bei meinen Guides waren das kleine Fischlein mit Gemüse. Da war ich schon froh über meine Spaghetti, auch wenn es nichts dazu gab. 

Lichenya Hut
... gemütlich ist es in der Hütte

Unterkunft der Waldarbeiter

Kochstelle

Bao-Spiel





Die Hütte


Farne

Wandern unterm Baumfarn

 

 

 

 

 

Inzwischen hat sich der Himmel zugezogen, es ist frisch geworden – aber nicht kalt. Mein T-Shirt und Wanderhemd musste ich nach der Ankunft durchspülen – beides war völlig durchgeschwitzt. Gut, dass ich Wechselsachen mithabe. Ich hoffe, beides trocknet bis morgen.

Während des Wanderns habe ich meinen Guide viel gefragt – der andere ist schweigsamer, spricht aber auch etwas Englisch. Der, den ich für den Träger hielt, ist wahrscheinlich eher derjenige, der den Weg kennt. Mein Guide war eher immer in der Nachhut, vor allem als es anstrengend und steil wurde. Er hatte sich aber auch mein Lebensmittelzeugs aufgebürdet. Als zweieinhalb Liter Getränke wegwaren, war er auch etwas entlastet – und mit jedem Tag wird es weniger werden.

Also: ich hab gelernt, dass Grundschule bis zur achten Klasse gratis ist. Dann wird es aber teuer: 200.000Kwat im Jahr für die secondary school. Er ging bis zur zwölften Klasse, da war es dann noch teurer. Zweihundert Euro ist unermesslich viel für jemanden, der nur einen Euro am Tag zum Leben hat – wie zum Beispiel die Holzträgerinnen. Mit gutem Englisch kann man als Guide schonmal das zehnfache verdienen, für die anderen eine immense Hürde, aus der Armut zu entfliehen. 

Zur Religion sagte er, dass Muslime und Christen hier unbeschwert zusammenleben. Es gibt Ehen zwischen Paaren verschiedenen Glaubens – und Freundschaften sowieso.

Ich freue mich, dass ich mich dafür entschieden habe, allein mit den Guides zu laufen. So rede ich nicht mit Touristen über weltweite Ziele und über Afrikaner, sondern mit Ihnen. Hier oben haben sich beide aber bissel verkrümelt. Nicht schlimm, da ich meine Fotos bearbeiten wollte und meinen Blog schreiben.

Bis jetzt finde ich die Wanderung wunderschön. Hier oben plätschert das Wasser aus der Leitung in einen Bottich, die Natur klingt tropisch – auch wenn es nicht viel zu sehen gibt. Eine Krähe gab es unterwegs, einen Raubvogel, der an einen Habicht erinnerte, auf einem Felsen lag ein Gewölle, das vielleicht von sowas wie einer Eule kommt. Man hört viele Insekten und einige Singvögel. Ein wunderschöner schwarzer Vogel mit blutroten Schwingen – etwas größer als eine Amsel flog auf halbem Weg an uns vorbei. Robin würde man den nennen – so heißt eigentlich das Rotkehlchen.

Mein Guide war auch schon ein wenig herumgekommen im Land. Er war in der Hauptstadt Lilongwe und auch im Liwonde Nationalpark. Auch das Zomba-Plateau kennt er. Da kann man auch ohne Guide wandern.

Als ich nach Tieren hier fragte, sagte er, dass es hier nachts evtl. kleine Chamäleons gibt – falls er keine Geckos meint. Ich werde am Abend also auch mal mit der Taschenlampe rumlaufen.

So: es ist erst halb vier Uhr. Der Tag ist noch lang. Und den Beginn der Nacht will ich auf keinen Fall verpassen.



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