13.12.22 Nachtrag, Chitakale, spätabends
Der Muezzin ruft, laut. Überwiegend ist Malawi christlich - aber damit fast schon eine Ausnahme in Afrika. In Blantyre gibt es einen modernen Hindutempel - die alten Stammesreligionen, der Animismus, den es wahrscheinlich hier auch mal gab ... nichts davon ist übrig.
Man kann auch vierhundert Euro und mehr für eine Lodge im Nationalpark je Nacht bezahlen. Für Safaris ein kleines Vermögen ausgeben. Beim kleinen Mann kommt davon nichts an. Ich hab Freude daran, einfach mit den Einheimischen zu Fuss zu laufen oder auch im Bus zu sitzen. Die Eindrücke sind überwältigend... Ich hoffe, auch etwas über Pflanzen und Tiere zu lernen - jedenfalls kenne ich das sonst von anderen Dschungel- und Hikingtouren.
Afrika ist laut. Nebenan ist eine Bar, ungemütlich, deswegen war ich nur auf ein Bier dort. Im TV lief sowas wie afrikanisches MTV. Die meisten Stars hatten weißere oder aufgehellte Haut, bekloppte Klamotten und keinen Stil. Bissel wirkte es auch wie Bollywood - aber eben nicht gekonnt. Wieviel schöner sind die farbenfrohen Gewänder der Frauen auf der Straße! Wieviel Fantasie beim Flechten der Haare! Ein ganz anderer Stil als in Ethiopien, natürlicher. Und irgendwie hab ich schon das Gefühl, dass man trotz der Armut fröhlicher und unbeschwerter hier ist. Man sieht viele Leute Lächeln oder Lachen, viel Lebensfreude. Bissel weniger hier bei den anderen Gästen des Hotels - ich bin der einzige Weiße - die allesamt den Innenhof vollparken und offensichtlich zur Mittelschicht gehören. Eine einzige weiße Familie sah ich heute im Touristenoffice, die mit eigenem Auto unterwegs war. Und auch in Blantyre gab es kaum Touristen. Ich bin wohl schon an einer ziemlich untouristischen Location - was ja schön ist. Und morgen geht es dann mit zwei Locals für vier Tage auf Tour. Bin gespannt, wer nachts noch an den Hütten aufschlägt - oder ob wir überwiegend unter uns bleiben werden.
Gestern beim Rückweg mit dem Moped sah ich am Straßenrand einen Vater, der für seinen Sohn ein Auto aus Draht geflochten hatte, das er an einer Stange über die Straße vor sich herrollte. Das war ein richtig kleines Kunstwerk in der Größe eines Schuhkartons - eigentlich hätte ich auch halten wollen - aber man kann auch nicht alles fotografieren. Und den einen oder anderen stört es vielleicht auch. Ich finde die Menschen hier äußerst freundlich und hilfsbereit, aufgeschlossen. Es macht große Freude bisher.
Heute hab ich meine Zip-Hose etwas kürzen lassen - die war unten am Saum ganz zerfetzt und ohnehin zu lang, wenn man nicht gerade Bergstiefel trägt. Der Schneider saß an einer alten Singer-Nähmaschine und zog schnell die zwei Nähte - für zwanzig Cent. Er hatte einen genialen Arbeitsplatz: draußen vor dem garagenähnlichen Gebäude unter einem schützenden Vordach - mit einem traumhaften Blick auf den gewaltigen Berg.
Man kann die Welt hier nicht retten als Einzelner. Die meisten Malawis leben von einem Euro am Tag (!!!). Sie werden von uns ausgebeutet, von Chinesen und Indern - und von der eigenen Oberschicht. Mir gegenüber hat noch keiner einen Mondpreis verlangt, wie es in Asien oder in Nahost üblich ist.
Daher verhandle ich hier auch kaum und gebe oft deutlich mehr, als ausgehandelt oder erbeten. Die Preise sind oft lächerlich gering. Mein Zimmer heute kostet keine zehn Euro. Nur westlicher Kram kostet verhältnismäßig viel: Pizza zum Beispiel, oder auch westlich verpackte Lebensmittel, wie ich sie für die Tour gekauft habe.
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| Blick auf den Mt, Mulanje |
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| Mein Hotel für die Nacht |
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| Fahrradtransport |


