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Affe im Wald
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... und noch einer
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... ein Pavian, hier: baboon
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Michiru Natural Sanctuary
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| Termiten |
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| Tausendfüßer |
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| Blümchen |
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Aussicht vom Gipfel
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| Aufstieg |
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bei angenehmem Klima
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| Aussichten |
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| Aufstieg |
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... sehr grün
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| Blümchen |
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ein Stengel ist überflüssig
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Mein erster Friseur | Schneider auf der Straße
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 | Koloniales Gebäude
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Ich hatte mir die "Stadt" angesehen: nicht weit von meiner Unterkunft ist das Stadtzentrum. Es gibt ein paar große Gebäude, die auch nicht durch besondere Architektur glänzen: Zweckbauten für Banken und Business oder Verwaltung. Ein räudiger Markt, über den man eigentlich nicht gern bummelt. Ich fand einen Adapter vom britischen Steckersystem auf unseres - als Backup oder wenn ich zwei Geräte laden möchte. Die Touristeninformation hatte nicht wirklich was zu bieten - ich sah mir paar Prospekte an und fotografierte ein, zwei Seiten, die mich interessierten. Bis zu einem kleinen Park war ich noch gelaufen, der weder gepflegte Wege noch irgendwas besonderes zu bieten hatte. Ich entschied mich also für ein Mopedtaxi. Eigentlich wollte ich auf den Berg Mt. Soche steigen - ein tausendfünfhundert Meter hoher Berg im Süden der Stadt. Das Mopedtaxi brachte mich zu einem gleichnamigen Hotel. Als ich nochmal auf der Karte zeigte, wo ich hin will und auch ein Foto vom grünen Gipfel zeigte, fuhr er weiter, statt fünfzig Cent für die kurze Strecke wollte er dann etwa fünf Euro. Passte für mich. Er fuhr über eine große Hauptstraße aus dem Centrum - nur in die falsche Richtung. Als er paarmal Leute am Straßenrand gefragt hatte, hatten wir uns längst im Gewimmel der kleinen Häuser verloren. Ein Einheimischer wies uns dann den Weg. Um einen großen Umweg bis zur nächsten Brücke zu vermeiden ging es schiebend und rollernd und Stufen runter und Treppen hochtragend zur richtigen Straße. Stellenweise waren wir mit dem hilfreichen Typen zu dritt auf dem Moped. Über eine wacklige Brücke ließ ich die beiden erst rüber, ehe ich meine fast neunzig Kilo auch noch auf die maroden Holzbalken setzte. Der Fahrer tat mir ganz schön leid, das Moped wurde arg gequält. Gegen elf Uhr war ich am Eingang zu dem kleinen Naturpark um den Berg Michiru. Ich gab dem Fahrer dann ein recht üppiges Trinkgeld, er fragte dann vorsichtig, ob er nun wegfahren dürfe. Das hat mich sehr überrascht: in Asien fragt man eher, ob man warten darf und sich so die Rückfahrt sichern kann - auch wenn ich dann fast vier Stunden am Berg war. Ich wusste, dass ich so vom Nationalparkhaus noch ein paar Kilometer laufen muss, um wieder auf eine befahrene Straße zu kommen. Ich wusste auch, dass für die Hitze ein halber Liter Wasser sehr knapp bemessen ist. Dort gab es leider nichts nachzukaufen. Zwei Stunden dauerte der Marsch auf den fast 1.500 Meter hohen Gipfel. Kein Mensch begegnete mir auf den sechshundert Höhenmetern. Es gab ein paar schöne Blüten am Wegesrand zu sehen. Ein paar Insekten schwirrten herum - ein gut angelegter Weg, auf dem man sich nicht verlaufen konnte. Klimatisch sehr angenehm, obgleich es ziemlich warm war. Je höher ich kam, umso angenehmer wurde der Wind. Oft verschatteten Wolken den Weg. Nur so kam ich mit dem Wasser hin - das war echt knapp. Die Aussicht unterwegs war schon schön. Unterwegs gab es immer mal Felsblöcke, auf denen man gut ausruhen konnte, ohne sich vor Krabbeltieren und Kriechendem fürchten zu müssen. Die Aussicht oben war toll: sehr viel Grün - wenn auch nicht üppig. Unten breiteten sich die Vororte von Blantyre aus. In der Ferne sah man steile Berge, weit entfernt im Dunst sah man den wolkenverhangenen Mt. Mulanje - mein Ziel für morgen. Der Abstieg war deutlich leichter - im Regen wäre es eine Schlitterpartie geworden - an einer Stelle rutschte ich schon so recht heftig. Unten angekommen, nachdem ich beim Abstieg noch einen Termitenhügel und einen Affen gesehen hatte, war meine Trinkflasche fast leer. Es war immer noch heiß und mindestens zweieinhalb Kilometer lagen noch vor mir. Dumm von mir. Auch im kleinen Ausstellungsraum gab es nichts zu kaufen. Es gab einen Klassenraum, aber keinen Shop. Im Museumsraum hingen Plakate über die Tierwelt und manches Handgemalte. Ich hatte mich nicht verhört, als ich einen Pirol zu hören glaubte und den Gedanken zuerst verwarf. Der Ausflug war schön, der Weg weg vom Berg anfangs noch spannend. Ich sah noch zwei weitere, andere Affen, dann machte sich der Durst immer spürbarer. Kritisch war es nicht, da ich dann schon immer mal wieder Leute traf. Einige sprachen mich auch freundlich an. Nach vier Kilometern etwa war dann meine Batterie alle. Ich legte mich auf eine kleine Mauer und döste etwas vor mich hin. Als ich ein Moped hörte, hielt ich es an und für einen Euro ging es zurück zum Hindutempel in der Stadt. Da gab es endlich auch CocaCola, die ich sonst nie trinke. Hier ein Lebenselixier: Wasser, Zucker und Salze, beim Schwitzen verliert man viele davon. Der Tempel war leider zu. Am Automaten zog ich nochmal 150.000Kwatcha. Ob das hundertfünfzig oder nur hundertzehn Euro sind, werde ich später wissen. Es ist das erste Land, in dem es in den offiziellen Wechselstuben mehr Geld gibt als zum offiziellen, internationalen Wechselkurs.
Danach suchte ich die Kneipe Kwa Haraba, die mein Reiseführer wegen seiner alkoholfreien Cocktails und Kunst lobte. Die Kunst fand ich enttäuschend, der Cocktail war gut.
In der Kneipe saß ein Deutscher, der lange Zeit in Indien und Nepal gelebt hatte und nun seit sieben Jahren bei Blantyre mit seiner einheimischen Frau lebt. Er kommt täglich mit dem Bus in diese Kneipe, den Weg legt er im Minibus und sonst an zwei Krücken zurück. Mit seinen fast achtzig Jahren war Volker Keck sehr redselig. Es viel ihm schwer, bei der deutschen Sprache zu bleiben. Immer wieder fiel er ins Englische zurück und so redeten wir ein internationales Kuddelmuddel. Er war paarmal in Hainichen - da gibt es einen Ableger seiner amerikanischen Kirche, für die und mit der viel in aller Welt war. In Varanasi, in Pokhara, … wir klopften ein paar Orte ab, an denen wir beide waren. Er war früher Kinderarzt in Osnabrück und Marburg, dann auf einer Nordseeinsel. Er war in Gotha und Eisenach - Luther spielt auch bei ihm eine große Rolle. Ganz wie achtzig sah er nicht aus. Er trägt einen Herzschrittmacher - geistig rege und interessiert an lokaler und internationaler Politik. Er schimpfte über Korruption und Mangelwirtschaft in Malawi, über die Armut und diejenigen, die davon profitieren. Im letzten Jahr haben sich viele Lebensmittelpreise verdoppelt, zeitweise gab es keinen Kraftstoff zu kaufen. Die Energiekrise war auch in Malawi angekommen. Zum Glück besitzt er kein Auto. Dazu gab es ein paar Familiengeschichten und und und. Für meine geplanten Ausflüge und Wanderungen konnte er mir nicht wirklich hilfreich sein. Trotzdem war es nett, mit jemandem zu sprechen, der schon so lange hier lebt.
Ich lief zurück zur Unterkunft. Alle Läden waren kurz vor achtzehn Uhr schon zu. Hier an der Wenela Busstation quatschte mich ein nerviger, aufdringlicher Bettler an - der erste bisher. Hilfsbereit zwar, aber immer auf der Suche nach einer Provision für das Vermitteln einer Info. Ich brauchte eine SIM-Karte, um endlich Netz zu haben. Für zweitausend Kwatcha habe ich jetzt eine, 1,50€ etwa. Keine Ahnung, wie lange die hält. Also auch eine malawische Telefonnummer. Die steckt jetzt in meinem alten S8, meinem Ersatzhandy. Jetzt muss ich es nur noch schaffen, die Fotos in meinen Blog zu bringen. Eine Aufgabe für heute Abend. Letztens in Finnland habe ich mir dabei mehrere bereits geschriebene Texte zerschossen. Also werde ich weiter an der Bar unterm vor dem Regen schützenden Palmdach sitzen, weiter Lionel Richie hören, Genesis und noch ein paar Mini-Bier trinken. Zum PublicViewing komme ich heute nicht, vorhin Senegal, jetzt Ecuador gegen die Niederlande. Gestern kam ich an England gegen Frankreich nicht vorbei. Der Blick zur Bühne ist der gleiche wie zur Leinwand…